HVD-NRW Humanistischer Verband Nordrhein-Westfalen K.d.ö.R

 
  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Home Publikationen
Publikationen

Humanismus für heute

E-Mail Drucken PDF

 

Da haben sich die wahren Eidgenossen ein Ei ins Nest gelegt. Künftig soll in die Schweizer Verfassung eingefügt werden: „Der Bau von Minaretten ist verboten“.  Nach den letzten Meldungen haben 57% der Schweizer dieser Forderung zugestimmt.

Unser neutraler Nachbar im Süden gibt sich engstirnig und rückwärts gewandt. Wir sollten unseren kleinen Nachbarn nicht überfordern. Auch bei der Einführung des Frauenwahlrechts in der Schweiz hatte er sich übermäßig Zeit genommen.

 

Die Gelegenheit, sich über Bauvorschriften zur Errichtung von Gebetshäusern zu unterhalten, sollte jetzt konsequent genutzt werden. Wer weiß, wie viele Quadratmeter groß eine evangelische Kirche in der Türkei sein darf? Darf in Saudi Arabien bei einer christlichen Kirche an der Außenmauer ein Kreuz angebracht werden? Ist es im Iran erlaubt, den Grundriss einer katholischen Kirche  als Kreuz zu konzipieren?  Wie lange und an welchen Wochentagen dürfen in Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung Glocken zum Gebet rufen?

 

Als Humanisten sind wir nicht die geeigneten Schiedsrichter, wenn Gott-Anbeter sich untereinander anrempeln und sich in ihrer Glaubensausübung behindern. Wer Religionen keine Freiheit lässt, wird kein Interesse an Menschen zeigen, die frei von allen Religionen sind.

Das erschrickt. In der Schweiz, In der Türkei. Und anderswo.

 

Euer Erz-Humanist

 

Humanismus für heute

E-Mail Drucken PDF

Normal 0 21

Wenn eine evangelische Pfarrerin und ein evangelischer Theologe eine Beziehung eingehen, dann handelt es sich meist um den Beginn eines neuen Pastorenhaushalts. Jede Regel hat ihre Ausnahme. So ist das auch in Deutschlands starker Mitte, in Thüringen. In diesem Bundesland sind immerhin noch etwa 25% der Bevölkerung in der evangelischen und 8% in der katholischen Kirche.

Seit der Landtagswahl im September 2009 regiert hier als Ministerpräsidentin Christine (!) Lieberknecht, Pfarrerin und als ihr Koalitionspartner Christoph (!) Matschie, Theologe. Wen wundert es, dass die beiden in so genialer Weise zusammen gefunden haben?

Wundern würde sich vielleicht nur Martin Luther, in dessen Heimatland sich dieses alles ereignet. Hatte er doch eine klare Vorstellung in der Unterscheidung und Trennung von weltlicher und göttlicher Macht. Da sind fünfhundert Jahre später seine Jünger und Jüngerinnen ganz anders drauf, frei nach dem Motto: „Was ich selber beeinflussen kann, muss ich nicht Gottes Fügung überlassen.“ So regieren Lieberknecht/Matschie eigenhändig ein kleines Bundesland, in dem eine Mehrheit in verfassungsändernder Größenordnung mit beiden Christen eigentlich gar nichts zu tun haben möchte.

Euer Erz-Humanist

 

Sind wir im Krieg?

E-Mail Drucken PDF

In der traditionellen Ethik wird Tapferkeit als Tugend beschrieben. Tapfer waren nach amtlicher Lesart vier Fallschirmjäger der Bundeswehr bei ihrem Einsatz in Afghanistan. Sie retteten letzten Oktober nach einem Selbstmordanschlag auf ihren gepanzerten Lastwagen (zwei deutsche Soldaten kamen dabei ums Leben) unter Einsatz ihres eigenen Lebens mehrere Soldaten und afghanische Kinder.

Dafür wurde nun erstmals in der über 50jährigen Geschichte der Bundeswehr ein „Ehrenzeichen der Bundeswehr für Tapferkeit“ verliehen, deren Gestaltung fatal an das „Eiserne Kreuz“ erinnert.

Die Ehrung selbst wurde zivil im Kanzleramt in Anwesenheit des Verteidigungsministers und der Bundeskanzlerin vorgenommen.

Ausgezeichnet für Tapferkeit. Was ist Tapferkeit? Der von uns Humanisten verehrte Immanuel Kant definiert: „Die Fassung des Gemüts, die Gefahr mit Überzeugung zu übernehmen, ist Mut. Ein anhaltender Mut in Gefahren ist Tapferkeit.“

Bertold Brecht liefert uns ebenfalls eine Antwort auf diese Frage. Besonders beeindruckend in der Kernaussage seines Dramas „Das Leben des Galilei“. Da beklagt Galileis Schüler Andrea die Haltung seines opportunistischen Meisters: „Unglücklich das Land, das keine Helden hat.“ Darauf antwortet Galilei: „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat!“

Bei der Ehrung übrigens wurde der Begriff „Krieg“ nicht genannt, lediglich von „schwierigen Aufträgen mit hohem Risiko“ deren die Bundeswehrsoldaten bei ihrem Einsatz in Afghanistan ausgesetzt seien, sprach die Kanzlerin.

Bei einer Umfrage stimmte die große Mehrheit zu, dass die Bundeswehr im Krieg oder zumindest an Kriegshandlungen beteiligt sei.

Eine „zivile“ Armee braucht diese Einsätze nicht und auf Helden können wir verzichten.

 

Humanismus für heute

E-Mail Drucken PDF

In einer Fernsehzeitschrift fand ich die Rubrik "Lebenshilfe - Darf ich das?". Eine Dame stellte die Frage: Darf ich als Christin an einem Yoga-Kurs teilnehmen?

Die Antwort gab ein sog. "Gewissensexperte". Er beschreibt eine Bibelanekdote*, in der Gott Petrus zwingt, eklige Tiere zu essen (Dschungelcamp läßt grüßen!) und folgert daraus mit scholastischen Gehirnverrenkungen, daß die Frau am Kurs teilnehmen dürfe.

Das ist wirklich kurios. Eine Gewissenentscheidung macht man doch mit sich selbst aus auf Grundlage seiner eigenen Erfahrungen, moralischen Vorstellungen und durchaus auch nach Gesprächen mit anderen. Einen Experten, den man demütig um Absolution bittet, kann es aber gerade nicht geben.

Dieser Herr Gewissensexperte ist übrigens Angestellter des Ev.-luth. Missionswerks Niedersachsen. Sein Beruf ist es, anderen seine eigenen Glaubensvorstellungen aufzuzwingen. Er beobachtet nicht offen die Welt, trifft eigenen Entscheidungen und läßt andere frei entscheiden, sondern zieht seine Weltsicht ausschließlich aus einem viele tausend Jahre alten Buch, das er als unfehlbar und verbindlich in allen (modernen) Fragen betrachtet.

Vielleicht sollte man sich in Gewissensfragen einfach nicht an eine Fernsehzeitung wenden.

Euer Erz-Humanist

*die er nicht näher kennzeichnet, aber es ist Apostelgeschichte 10, 11-16

 

Humanismus für heute

E-Mail Drucken PDF

Normal 0 21

„Mohammed ist ein Prophet, der von Fußballspielen nichts versteht“ ist eine Zeile im unendlich langen „Blau-und-weiß, wie lieb ich dich“. Fans von Schalke 04 singen es mit religiöser Inbrunst zu Beginn jeden Heimspiels. Und das schon seit Jahrzehnten. Im Sommerloch 2009 haben türkische Medien entdeckt, dass dies doch eine Beleidigung des Propheten Mohammed sein könnte.

Wie löst man solch ein Problem? Als erstes ist zu empfehlen, schön auf dem Teppich zu bleiben oder besser ausgedrückt, auf dem blau-weißen Rasen von Schalke. Als das Lied geschrieben wurde, wusste auf Schalke niemand etwas anzufangen mit Mohammed und dem Islam. Von daher kann Religionshass oder Ausländerfeindlichkeit nicht in den Köpfen gespukt haben.

Wenn wir die Kritik ernst nehmen, müssten wir prüfen, ob Mohammed in seiner Weisheit sich jemals zum Fußball geäußert hat. Bei ernsthafter Durchsicht des Korans muss das verneint werden. Ob dies geschah, weil der Prophet fußballunkundig oder zu seiner Zeit Fußball noch gar nicht in der Welt war, muss offen bleiben. Dennoch ist die Liedzeile eine zutreffende Sachaussage.

Das Sommerloch ist damit geschlossen von Eurem

Erz-Humanist

 

 


Seite 1 von 3

nächste Termine