Bestattungskultur erlebt einen Wandel
Nachfrage nach anonymen oder naturnahen Beisetzungen im Wald steigt
Bonn/dpa. Anonyme Bestattungen und sehr individuell gestaltete Trauerfeiern verändern die Bestattungskultur in Deutschland. Ein Grund für anonyme Beisetzungen seien die geringeren Kosten, weil Stein und Grabpflege entfielen, sagte der Vorsitzende des Verbrauchervereins Bestattungskultur «Aeternitas», Hermann Weber, in einem dpa-Gespräch in Königswinter bei Bonn.
Zudem hätten viele die Überzeugung, «wenn ich tot bin, existiere ich ja nicht mehr und brauche deshalb auch kein sichtbares Grab».
Von jährlich rund 840 000 Bestattungen in Deutschland seien derzeit zwölf Prozent anonyme Beisetzungen, sagte Weber weiter. Eine Ursache dafür sei auch die gestiegene Mobilität, denn Hinterbliebene der Toten lebten oft in einer anderen Region. Wegen der voraussichtlich fehlenden Grabpflege entscheide sich mancher vor seinem Tod für die anonyme Bestattung.
«Auch bei den Trauerfeiern hat sich inzwischen vieles geändert», berichtet Weber. Neben der klassischen Zeremonie gestalteten immer mehr Menschen die Treffen sehr nach den individuellen Wünschen des Verstorbenen. Das gelte etwa bei der Auswahl der Musik oder des Trauerschmucks. So würden verstärkt farbige Särge gewünscht oder bei den Trauerfeiern bemalt.
Ein weiterer Trend sei der Wunsch nach naturnahen Bestattungen, etwa auf so genannten Friedwäldern. Dabei wird in der Regel die Urne zwischen die Wurzeln des Baumes gelegt und die Stelle nur mit einem kleinen Schild am Baum markiert. Grund dafür seien die Naturverbundenheit des Verstorbenen oder dessen Abneigung, auf dem Friedhof «in Reih und Glied» zu liegen, sagte Weber. Zudem hätten die Feuerbestattungen stetig zugenommen. Inzwischen würden mehr als 40 Prozent der Toten eingeäschert.



