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Gegen das Vergessen

Traditionsgemäß besuchen die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Humanistischen Jugendfeier Dortmund 2009 die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache auch in diesem Jahr.

Besonderes Augenmerk lenken die Veranstalter, der Humanistische Verband NRW und die Jungen Humanisten (JuHu's), auf die Ausstellungsbereiche, in denen Jugendliche im Widerstand eine besondere Rolle gespielt haben.

Wir erinnern an Paul Winzen und weitere Mitglieder der Freidenker-Jugend, die eine Vorläufer-Organisation der JuHu’s war, die so mutig Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft geleistet haben.

Die Gruppe war eine spezifische Dortmunder Widerstandsorganisation. Gründer, Leiter und organisatorischer Kopf war Paul Winzen. Als 17jähriger trat er in die Freidenkerjugend ein und scharte bald einen Kreis Gleichgesinnter um sich. Man besuchte gemeinsam Theaterstücke, Ausstellungen, Bibliotheken, bildete Diskussionszirkel und es wurde viel gemeinsam gelesen und wurden Textanalysen erarbeitet. Der Marxismus wurde als allgemeine weltanschauliche Basis im Hinblick auf eine humanistische Gesellschaftsordnung akzeptiert. Das Modell des sowjetischen Kommunismus lehnten sie ebenso ab wie die praktische Politik der Sozialdemokratie. Ansätze einer neuen sozialistischen Theorie wurden von Winzen entwickelt.

In den Jahren nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten traf sich die Gruppe illegal in verschiedenen Wohnungen; der „Freie Wanderbund“ wurde zur Tarnung gegründet; es wurden Flugblätter gegen den Nationalsozialismus gedruckt und verteilt und ausländische Rundfunksender abgehört.

In der Zeit von Juni bis August 1940 wurden sämtliche Mitglieder der Gruppe festgenommen. Ein Spitzel hatte sich in die Gruppe eingeschlichen.

Am 07. Juni 1941 verhängte der 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm gegen vierzehn Angehörige der Winzen-Gruppe sehr hohe Zuchthausstrafen. Der Prozess gegen Paul Winzen, Josef Kasel und Franz Becker fand am 21. Februar 1942 in Berlin vor dem Volksgerichtshof statt. Paul Winzen und Josef Kasel wurden wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ in Verbindung mit „Vorbereitung zum Hochverrat“, im Fall Winzen noch in Verbindung mit einen „Rundfunkverbrechen“, zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am 12. Juni 1942 in Berlin-Plötzensee vollstreckt. Franz Becker als dritter Angeklagter vor dem Volksgerichtshof wurde mit 10 Jahren Zuchthaus bestraft, kam aber 1943 in das KZ Mauthausen, wo er am 01. April 1944 ermordet wurde.

Hilde Schimschok war ebenfalls Mitglied der Gruppe „Neuer Sozialismus“ um Paul Winzen. Ihr Leben war tief von einem arbeiterkulturellen Milieus beeinflusst. Ablehnung bestimmte ihr Verhalten gegenüber dem nationalsozialistischen Herrschaftssystem und den damit einhergehenden Alltagsritualen. Nach der Enttarnung der Gruppe wurde sie vor dem 1. Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamm wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und nach Verbüßung der Strafzeit weiter gefangen gehalten.

In einer eindrucksvollen Video-Dokumentation der Landeszentrale für politische Bildung schildert Hilde Schimschok, die bis zu ihrem Tod Mitglied des Humanistischen Verbandes war, die Aktivitäten und Widerstandsarbeit der Winzen-Gruppe und ihre langjährige Haftzeit. In der Nachkriegszeit war Hilde Schimschok für die SPD im Rat der Stadt Dortmund. Von 1965 bis 1976 saß sie als Abgeordnete im Deutschen Bundestag.

Ein weiteres bekanntes Mitglied der Winzen-Gruppe war der spätere Dezernent der Stadt – Siegfried Drupp. Drupp wurde ebenfalls verurteilt und wurde jedoch zur Bewährungseinheit 999 eingezogen, die er tatsächlich überlebt hat.

In der Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933 – 1945“ im ehemaligen Gestapogefängnis „Steinwache“ ist ein ganzes Kapitel über den Widerstand der Freidenkerjugend angelegt. Der Besuch der „Steinwache“ gehört in jedem Jahr zum Vorbereitungsprogramm unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Humanistischen Jugendfeier.

 

 

 

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